Agora Energiewende Bericht zur Dezentralität
28. Februar 2017
Untersuchungen zur Energiestrategie Brandenburgs (Gaudchau et al. 2017)
7. März 2017

Untersuchung der Energiestrategie Brandenburgs

Auftragsstudie, veröffentlicht am 6. März 2017

Wird die Braunkohle im Land Brandenburg für eine sichere Energieversorgung im Jahr 2030 noch benötigt? Mit dieser zentralen Fragestellung fertigte das RLI gemeinsam mit der HTW Berlin eine Untersuchung über die Energiestrategie des Bundeslandes im Auftrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag an.

Die Studie soll die Debatte um die anstehende Evaluation der Energiestrategie 2030 der Brandenburger Landesregierung inhaltlich unterstützen. Um die Auswirkungen der Strategie sowie Veränderungen der politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in Bezug auf die Braunkohlenutzung konkret bewerten zu können, wurde daher mit einem umfassenden Energiesystemmodell die mögliche Energieversorgung Brandenburgs 2030 berechnet. Das verwendete Modell berücksichtigt neben Wärmebedarf und -erzeugung alle Arten der Stromerzeugung und den prognostizierten Stromverbrauch. Diese Randbedingungen stellen sicher, dass in allen Szenarien der Strom- und Wärmebedarf zu jeder Zeit gedeckt werden kann. Darüber hinaus wurden die Lastflüsse für den notwendigen Stromtransport zwischen den Regionen in Brandenburg sowie den Nachbarregionen stundengenau analysiert, um einen möglichen, systemrelevanten Bedarf an Leitungsausbau auf der Übertragungsebene und Speicherung erkennbar zu machen. Dieser floss in die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Szenarien mit ein.

Das RLI unterstützt Transparenz und Nachvollziehbarkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen. Die Simulationen dieser Studie basieren auf dem Open-Source Framework oemof zur Energiesystemmodellierung. Dieses ermöglicht es, verschiedenste Energiesysteme mit den gleichen Bausteinen abzubilden. Die Links zum Code und den Eingangsdaten der vorliegenden Studie finden Sie unter dem Reiter "Open Source".

Vollständige Studie Untersuchungen zur Energiestrategie Brandenburgs

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Pressemitteilung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag


  • Die in der Energiestrategie 2030 prognostizierte Höhe des Stromexports des Landes Brandenburg und die prognostizierte Höhe der Energieeinsparungen wurden als unrealistisch eingeschätzt. Die Berechnungen basieren daher auf reduzierten Annahmen.
  • Wenn der Export nicht wie in der Energiestrategie prognostiziert ansteigt, sondern langfristig sinkt, wird die Braunkohle überflüssig. Zur Deckung der Residuallast sind die vorhandenen Gaskapazitäten und anderen Kraftwerke besser geeignet.
  • Durch die Abschaltung der Braunkohlekraftwerke könnten die Emissionen im Strombereich vergleichbar einfach erheblich gesenkt werden.
  • Um zu einer nachhaltigen Energieversorgung in allen Bereichen zu gelangen, müssen neue Technologien, insbesondere im Wärmebereich, stärker gefördert werden, da hier noch großes ungenutztes Potenzial liegt.
  • Die in der Energiestrategie gesetzten Ziele für den Ausbau Erneuerbarer Energien führen dazu, dass etwa 80 Prozent des Stromverbrauchs aus Erneuerbarer Energien gedeckt werden könnte. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Ausbau in ähnlichem Maße wie bisher fortgesetzt und nicht verlangsamt werden.
  • Die Ausbauziele im Bereich Photovoltaik sind zu überdenken. Bereits heute sind die Ziele der Energiestrategie fast erreicht, sodass der Zielwert von 3,5 Gigawatt aus Photovoltaik in 2030 deutlich übertroffen werden kann.
HTW Berlin
Die Studie wurde im Auftrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag angefertigt.

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag

Die vorliegende Studie enthält für eine bessere Lesbarkeit nur wenige Informationen zu der Modellierung des Energiesystems und den Eingangsdaten. Um trotzdem die nötige Transparenz der Annahmen und Berechnungen gewährleisten zu können, wird eine separate Dokumentation zur Verfügung gestellt und der Berechnungscode offen gelegt.

Die Simulationen dieser Studie basieren auf dem Open-Source Framework oemof zur Energiesystemmodellierung. Dieses ermöglicht es, verschiedenste Energiesysteme mit den gleichen Bausteinen abzubilden. Durch die Offenlegung des Codes und die damit einhergehende Transparenz von Berechnungen wird eine stetige Verbesserung des Frameworks auch durch externe Experten ermöglicht.

Das Berechnungsmodell bilanziert auf Ebene der regionalen Planungsgemeinschaften Brandenburgs zuzüglich Berlin. Der Einsatz der Kraftwerke wird auf minimale Kosten optimiert. Die verwendete App und eine ausführliche Beschreibung des Modells für die vorliegende Untersuchung findet sich auf GitHub . Factsheets in englischer Sprache zu dem Modell und den Szenarien sind außerdem auf der OpenEnergy Plattform unter folgenden Links zu finden:


Die Eingangsdaten sind in der OpenEnergy Datenbank einsehbar (Alle Tabellen mit "abbb" im Namen).

Kontakt



Elisa Gaudchau


Projektleiterin

Berit Müller


Teamleiterin

Birgit Schachler


Wissenschaftliche Mitarbeiterin