Agora Bidi – Potenziale von bidirektionalem Laden sichtbar machen

Projektbeschreibung

In diesem Projekt untersuchen Wissenschaftler:innen des Reiner Lemoine Instituts im Auftrag des Thinktanks Agora Verkehrswende, wie das bidirektionale Laden von Elektrofahrzeugen (BiDi) dazu beitragen kann, die eigenen Stromkosten zu senken und das Energiesystem zu stabilisieren. Aus den Ergebnissen entwickelt das Projektteam Handlungsempfehlungen für Politik und Wissenschaft.

Nutzungspotenziale verständlich aufbereiten

Bidirektionales Laden bedeutet, dass Elektrofahrzeuge nicht nur Strom aus dem Netz oder von der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach aufnehmen, sondern auch wieder abgeben können – zum Beispiel ins Stromnetz oder ins eigene Haus. Das Projektteam untersucht, welche energiewirtschaftlichen Vorteile dieser Ansatz für verschiedene Kund:innengruppen bringt. Dafür sichten die Wissenschaftler:innen vorhandene Studien und führen Interviews mit Praxisexpert:innen, etwa aus der Energiewirtschaft und der Rechtswissenschaft.

Auswirkungen auf die Fahrzeugkosten

Das Team untersucht, inwiefern sich die Total Cost of Ownership (TCO), also die Gesamtkosten, die über die Lebensdauer eines Elektrofahrzeugs entstehen, durch das bidirektionale Laden reduzieren. Die Expert:innen erstellen dafür typische Nutzendenprofile und analysieren, wie viel Geld sich mit BiDi-Anwendungen sparen lässt – etwa durch Eigenverbrauchsoptimierung oder die Teilnahme am Strommarkt.

Empfehlungen für bessere Rahmenbedingungen

Basierend auf den Ergebnissen entwickelt das Team konkrete Vorschläge, wie rechtliche und regulatorische Hürden abgebaut werden können, um BiDi-Anwendungen in die Praxis zu bringen. Die Empfehlungen richten sich gezielt an Entscheidungsträger:innen in Politik und Behörden. Ein zentrales Ziel des Projekts ist die verständliche Darstellung der komplexen Zusammenhänge – auch für Menschen ohne energiewirtschaftliche Vorerfahrung. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass sie einen einfachen Einstieg in das Thema ermöglichen und praktische Anwendungsbeispiele liefern.

Projektzeitraum: Juli – September 2025

Aufgaben

  • Analyse energiewirtschaftlicher Nutzungsmöglichkeiten des bidirektionalen Ladens
  • Interviews mit relevanten Stakeholdern
  • Entwicklung und Bewertung von exemplarischen Kundenprofilen
  • Quantifizierung der TCO-Effekte durch BiDi-Anwendungen
  • Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft und Journalismus
  • Zielgruppengerechte und verständliche Aufbereitung der Ergebnisse

Ergebnisse

Die komplette Analyse gibt es hier.

Kernergebnisse der Analyse:

  1. Die Batterien von Elektrofahrzeugen können als flexible Speicher die Kosten der Energiewende senken.
    Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt Flexibilität im Stromsystem zunehmend an Bedeutung. Bidirektionales Laden kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen und die Netzstabilität zu sichern. Die Einbindung von Elektrofahrzeugen als flexible Speicher trägt zu einer kosteneffizienten Energiewende bei.
  2. Bidirektionales Laden kann die Gesamtkosten für Elektrofahrzeuge senken.Beim bidirektionalen Laden kann Strom auch vom Auto zurück ins Haus oder ins Stromnetz fließen. Ist zum Beispiel der Strompreis hoch, kann der günstiger eingekaufte Strom im Haus genutzt oder auf dem Strommarkt verkauft werden. Das reduziert die Stromkosten für die jährliche Fahrleistung von Elektrofahrzeugen.
  3. Die Rückeinspeisung in das Stromnetz (Vehicle-to-Grid) bietet ein hohes Gewinnpotenzial.
    Durch den Handel am Strommarkt lassen sich Arbitragegewinne von bis zu 500 Euro pro Jahr realisieren. Alternativ bietet die Bereitstellung von Regelenergie ein ähnliches Gewinnpotenzial. Die Gewinne sind allerdings insbesondere von Preisschwankungen am Strommarkt abhängig.
  4. In Kombination mit der Eigenversorgung (Vehicle-to-Home/Building) sind zusätzliche Einsparungen möglich.
    Wird das Elektrofahrzeug bei Nutzung einer PV-Anlage zudem zur Eigenversorgung eines privaten Haushalts oder gewerblichen Gebäudes genutzt, erhöht das die Gewinne. Vehicle-to-Home-Anwendungen allein bringen im Vergleich zu gesteuertem Laden hingegen kaum finanzielle Vorteile, da die Mehrkosten für bidirektionale Ladeinfrastruktur die Gewinne häufig übersteigen.
  5. Um das Potenzial des bidirektionalen Ladens voll auszuschöpfen, braucht es eine Reform der politischen Rahmenbedingungen.
    Wenn sich die Rückeinspeisung in das Stromnetz finanziell lohnt, wird bidirektionalen Laden eine breite Anwendung finden. Flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA) können dabei zielführend sein. Mit ihnen können Netzbetreiber sicherstellen, dass das Be- und Entladen netzverträglich erfolgt. Im Gegenzug können sie Netzentgelte für zwischengespeicherten Strom reduzieren, was die individuellen Stromkosten senken würde. Technische Voraussetzung dafür ist der zügige Ausbau intelligenter Messsysteme, damit unter anderem ausreichend Informationen zur Netzauslastung vorliegen.

Förderung

Kontakt

Projektleitung

Projektmitarbeitende

Julian Brendel

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

+49 (0)30 1208 434 34 julian.brendel@rl-institut.de

Gombodshaw Boẞ

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

+49 (0)30 1208 434 39 gombo.boss@rl-institut.de