Mehrzweckkonzepte für Ladeinfrastruktur im Einzelhandel: Ladebedarf und Potenzial zur Reduzierung des Bedarfs an Ladepunkten in Berlin (Wegner et al., 2025)
Jakob Wegner, Raoul Hirschberg, Friederike Reisch, Aaron Moritz
Die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrssektors stellt insbesondere in städtischen Gebieten wie Berlin Herausforderungen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur dar. Der Bedarf an Ladestationen konkurriert mit der bestehenden Nutzung öffentlicher Straßen, und vielen Unternehmen fehlen die Ressourcen, um eine eigene Infrastruktur aufzubauen. Mehrzweckkonzepte, die private Ladestationen für andere Nutzergruppen zugänglich machen, tragen dazu bei, die Auslastung der Infrastruktur zu erhöhen und den Ladebedarf zu decken. Das Projekt Retail4Multi-Use untersucht das Potenzial dieser Konzepte an Einzelhandelsstandorten in Berlin und analysiert den Ladebedarf für die Jahre 2035 und 2045 in drei Szenarien: eines ohne Mehrfachnutzung, eines mit deren Umsetzung und eines mit zeitlicher Flexibilität beim Laden. Die Studie modelliert den Ausbau der Elektromobilität, erstellt anhand von Mobilitätsdaten synthetische Fahrprofile und berechnet den Ladebedarf durch dynamische Simulationen. Auch die geografische Verteilung der Nachfrage wird bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass im Jahr 2035 etwa 3.300 Ladepunkte an Einzelhandelsstandorten benötigt werden, bis 2045 steigt dieser Bedarf auf 7.400. Multi-Use-Konzepte können den Energieverbrauch pro Punkt um bis zu 255 % steigern, indem sie die Nachfrage aus dem öffentlichen Raum verlagern. Mehrzweckkonzepte an Einzelhandelsstandorten mit flexiblen Ladezeiten können den Bedarf an öffentlicher Infrastruktur um bis zu 17 % reduzieren. Diese Ergebnisse zeigen das Potenzial von Mehrzweckkonzepten zur Optimierung der Nutzung der städtischen Ladeinfrastruktur.
Erschienen in: IET Conference Proceedings, Volume 2025, Issue 36.