SEDOS – Ein FAIR-Datensatz für die technisch detaillierte Modellierung der Energiewende in Deutschland (Gardian et al., 2026)
Hedda Gardian, Hans Christian Gils, Beneharo Reveron Baecker, Samuel Hasselwander, Hendrik Huyskens, Anik Islam, Gian Müller, Viktor Slednev, Jonas Winkler, Ulrich Fahl
Modernste Modellierungsansätze für die Energiesystemplanung berücksichtigen die Wechselwirkungen zwischen den Nachfragesektoren wie Gebäude, Verkehr und Industrie, dem Versorgungssektor und dem Umwandlungssektor. Die Modellierung wird jedoch nach wie vor durch die Fragmentierung der Datenquellen, uneinheitliche Formate und den hohen Aufwand für die Datenerfassung und -harmonisierung behindert. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wird in diesem Beitrag der offene Datensatz SEDOS vorgestellt, der speziell für die technologisch detaillierte Modellierung des deutschen Energiesystems konzipiert wurde. SEDOS bietet eine umfassende, strukturierte und aktuelle Datensammlung über alle Energiesektoren hinweg und unterstützt damit sektorübergreifende Analysen. Der Datensatz basiert auf einer relationalen Modellstruktur, die die Konsistenz zwischen Technologien, Rohstoffen und Sektoren gewährleistet und ist über ein interaktives Online-Dashboard zugänglich. SEDOS umfasst Szenariodaten bis zum Jahr 2070, stündliche Zeitreihen und eine detaillierte Darstellung von mehr als 2000 Technologien. Auf der Nachfrageseite erfasst der Datensatz die Entwicklung von Energiedienstleistungen und -produkten, für deren Bereitstellung ein breites Technologieportfolio hinsichtlich seiner technischen und wirtschaftlichen Parameter charakterisiert wird. Der Datensatz konzentriert sich zwar auf Deutschland, bezieht jedoch für den Stromsektor eine europäische Perspektive ein, um grenzüberschreitende Marktbewertungen zu ermöglichen. Eine wesentliche Neuerung von SEDOS ist die Ausrichtung an den FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable), wodurch Transparenz, Wiederverwendbarkeit und die Integration in verschiedene Modellierungsrahmen gefördert werden. Dies senkt die Einstiegshürden für Modellierer und erleichtert konsistente und reproduzierbare Analysen von Energiesystemen. Dieser Beitrag skizziert die Methodik hinter dem Datensatz, stellt dessen Struktur und Inhalt vor und beschreibt Anleitungen für den Einsatz in der langfristigen Energiesystemplanung und in Studien zur Sektorenintegration.
Erschienen in: Energy Reports, Volume 15, June 2026.