Olivenbäume, Halbmonde und neues Wissen – Projektreise nach Tunesien
26. Mai 2026 | Wie kann Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel werden? Im RLI-Projekt SustAgri suchen Wissenschaftler*innen gemeinsam mit lokalen Partner*innen, Landwirt*innen und Forschungsinstituten nach einer Antwort. Für einen Workshop mit Stakeholdern trafen sich die Projektpartner in Tunesien. Was haben sie dort erlebt?
Vor Ort direkte Einblicke in die Arbeit derjenigen bekommen, um die es geht: Landwirt*innen. Für das Projekt SustAgri reisten Clara Neyrand und Julian Fleischmann, wissenschaftliche Mitarbeitende im Forschungsbereich Off-Grid Systems, Ende März nach Tunesien. In dem Projekt entwickelt das Projektteam nachhaltige agroforstwirtschaftliche Systeme für den Mittelmeerraum, um die Resilienz der Landwirtschaft zu stärken. Dafür kombinieren und testen sie traditionelle und innovative landwirtschaftliche Praktiken und entwickeln ein digitales Planungstool für Agroforstsysteme. Vier Partnerländer arbeiten in dem Projekt zusammen: Deutschland, Italien, Algerien und eben Tunesien.
Theoretisches Wissen und praktische Erfahrungen
In Tunis veranstaltete der Projektpartner aus Tunesien, das Institut National Agrononomique de Tunisie (INAT) einen Stakeholder Workshop. Ziel des Workshops war es, herauszufinden, was die Herausforderungen von Agroforstsystemen in Tunesien sind und wie die Forschung unterstützen kann. Das Besondere am Workshop war, dass viele Interessengruppen gemeinsam arbeiteten und diskutierten: Regierungsvertreter*innen, Landwirt*innen und Forschende.
Neben theoretischer Arbeit gab es auch noch ganz praktische Einblicke: Den Besuch des Living Labs in der Region Zaghouan. Das Living Lab ist eine Art Versuchsraum, eine Farm, auf der probeweise verschiedene Pflanzen angebaut werden und die Effekte von verschiedenen Agroforestry-Techniken getestet und beobachtet werden. Im Anschluss führten die Forschenden Interviews mit Landwirt*innen und holten sich Feedback zu dem geplanten Planungstool ein.
Demi-Lunes, Capacity Building und Johannesbrotbaum: Dieses neue Wissen nehmen die Wissenschaftler*innen mit ins Projekt
- Viel lokales Wissen ist bereits vorhanden, es ist jedoch wichtig Beispiele wie das Living Lab zu haben, an dem getestet werden kann und womit Landwirt*innen direkt Ergebnisse und Erfahrungen sehen und teilen können. Besonders häufig wurde der Wunsch nach Capacity Building Maßnahmen geäußert.
- Das Projektteam lernte außerdem traditionelle Methoden der Wasserrückhaltung kennen. Dazu gehören sogenannte Halbmondstrukturen oder auch Demi-Lunes genannt. Das sind halbkreisförmige Mikroauffangbecken, die Oberflächenabfluss bremsen und Wasser gezielt an Bäumen oder Sträuchern konzentrieren.
- Die Forschenden erfuhren auch, welche Pflanzen in Agroforstsystemen im Mittelmeerraum eingesetzt werden können, so können etwa die aromatischen Pflanzen Geranium und Minze mit Olivenbäumen kombiniert werden. Trockenheitsresistente Bäume wie der Johannisbrotbaum bieten das Potenzial für Wiederaufforstung und könnten gleichzeitig neue lokale Wertschöpfungsketten stärken, etwa als nachhaltige Alternative zu Kakao.
Mehr Infos zum Projekt gibt es auf der Projektseite.