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Georäumliche Identifizierung des Mini-Grid-Potenzials in Äthiopien

In diesem von der Weltbank finanzierten Projekt identifizierte und bewertete das RLI Standorte für die potenzielle Elektrifizierung mit Mini-Grids im ländlichen Äthiopien.

Mini-Grids, manchmal auch Micro-Grids oder Inselnetze genannt, sind lokal abgegrenzte und in sich geschlossene Stromnetze, die mehrere Haushalte oder Unternehmen mit Strom versorgen. Sie können von verschiedenen fossilen und erneuerbaren Energiequellen gespeist werden, wie etwa von Photovoltaikanlagen (PV), Windturbinen, Wasserkraftwerken oder Dieselgeneratoren. Um die Versorgungsstabilität zu gewährleisten, enthält ein Mini-Netz oft auch Batteriespeicher.

Datenerhebung zur Identifizierung von Siedlungen

Das Ziel dieses Projekts war es, Geodatensätze zu sammeln und zu verarbeiten, die Siedlungen und Einrichtungen im ländlichen Äthiopien identifizieren, die (noch) nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen sind. Ab einer gewissen Entfernung zum nationalen Netz und einer gewissen Größe der Siedlungen sind sie vielversprechende Kandidaten für die Elektrifizierung mit Mini-Grids. Die vom RLI gesammelten Daten enthielten daher Informationen zu Bevölkerungsmerkmalen, Energie- und Verkehrsinfrastruktur, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Landwirtschaft und Viehzucht. Die Datensätze wurden miteinander verschnitten, um die vielversprechendsten Standorte für die Entwicklung von Mini-Netzen in Äthiopien zu identifizieren und zu bewerten.

Netzunabhängige Elektrifizierung als Maßnahme zur Bekämpfung der Energiearmut

Die Elektrifizierungsrate in Äthiopien lag im Jahr 2020 bei rund 50 Prozent, was bedeutet, dass die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu Strom hatte. Dies betraf vor allem ländliche Regionen. Für viele dieser ländlichen Gebiete ist die netzunabhängige Elektrifizierung, vor allem mit Mini-Grid-Technologien, die beste Option um eine schnelle Versorgung mit elektrischem Strom herzustellen. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung des Ziels für Nachhaltige Entwicklung Nummer 7 der Vereinten Nationen (SDG 7) den universellen Zugang zu bezahlbaren, zuverlässigen und modernen Energiedienstleistungen sicherzustellen.

Das Projekt baut auf Erfahrungen auf, die das RLI mit der Identifizierung potenzieller Mini-Grid-Standorte in Mali, Sambia, Tansania und Nigeria unter Verwendung von GIS-Methoden und -Technologien gemacht hat.

Projektlaufzeit: Februar – Juni 2021

Foto: neiljs, Addis Ababa, Ethiopia, cropped by RLI, CC BY-SA 2.0

Das RLI hat im Projekt folgende konkrete Aufgaben übernommen:

  • Inventarisierung von Daten und Datenquellen, Bewertung der Datenqualität und -verfügbarkeit
  • Überprüfung von High-Level-Outputs aus bestehenden Geodaten-Tools wie der Global Electrification Platform von ESMAP
  • Identifizierung aller relevanten Siedlungs- und Schlüsselinfrastruktur-Cluster für die weitere Analyse
  • Berechnung der Bevölkerungszahlen auf Basis des Haushaltsdatensatzes
  • Berechnung der Entfernung zum Stromnetz für jedes Cluster
  • Auswahl einer Pilotregion innerhalb Äthiopiens
  • Weitere Priorisierung basierend auf sozioökonomischen Merkmalen, landwirtschaftlichen und anderen wirtschaftlichen Aktivitäten, Siedlungsmustern und regionalen Nachfragemustern
  • Entwicklung eines Priorisierungsalgorithmus
  • Vorschlag von landesweiten Prioritätsstandorten
World Bank

Kontakt



Paul Bertheau


Projektleiter